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Was ist Bulimie?

Die Bulimie (lateinisch: bulimia nervosa), oftmals auch Ess-Brech-Sucht genannt, gehört neben der Magersucht (lateinisch: anorexia nervosa) zu den Essstörungen, von denen hauptsächlich junge Frauen betroffen sind. Der Großteil der Betroffenen ist zwischen 14 und 30 Jahren alt. Oftmals tritt die Bulimie als „Folgeerkrankung“ einer Magersucht auf. Aufgrund der anzunehmenden hohen Dunkelziffer ist es nahezu unmöglich zu sagen, wie hoch der Anteil der Erkrankungen in der Gesamtbevölkerung ist; hier gibt es stark divergierende Zahlen. Bulimia nervosa bedeutet übersetzt so etwas wie „Ochsen- oder Stierhunger“, im übertragenen Sinn „verzehrender Hunger“ und wurde 1979 erstmals von dem englischen Professor Gerald Russell beschrieben.

Die Betroffenen leiden meist unter einer gestörten Selbstwahrnehmung, empfinden sich immer als zu dick.
An Bulimie Erkrankte sind jedoch meist Normalgewichtig (BMI zwischen 20 und 25). Sie versuchen, ihr Gewicht durch herbeigeführtes Erbrechen, Hungern, Diäthalten ausgiebigen Sport oder den Missbrauch von Abführmitteln zu kontrollieren. Jedoch werden sie von regelmäßigen Heißhungerattacken heimgesucht. Diese können einmal in 10 Tagen aber auch mehrmals täglich auftreten. Die Heißhungerattacken lösen meist Essanfälle aus, bei denen die Betroffenen jegliche Kontrolle über sich selbst – und vor allem über die Nahrungsmengen die sie verzehren – verlieren. Häufig nehmen die Betroffenen über 5.000 Kalorien pro Anfall zu sich. Anschließend müssen sie sich entweder allein aufgrund der Unmengen von Nahrungsmitteln in ihrem Magen übergeben, oder es packt sie das „schlechte Gewissen“, sie fürchten eine Gewichtszunahme und führen das Erbrechen gewollt herbei. Diese Essanfälle werden von den Betroffenen als permanente Niederlage erlebt, der Zustand der Erleichterung während des Erbrechens ist nur von kurzer Dauer. Die folgende Frustration über den Kontrollverlust, Schuld- und Schamgefühle führen häufig zu einer erneuten Heißhungerattacke; die Betroffenen befinden sich in einem Teufelskreis. 



Um ihre Essanfälle geheim zu halten, geraten die Betroffenen häufig in soziale Isolation. Da sie körperlich unauffällig sind, wissen meist weder die Familie noch die Freunde von der Erkrankung. Außerdem befinden sich Ess-Brech-Süchtige häufig in finanziellen Schwierigkeiten, denn die Beschaffung Unmengen von Lebensmitteln ist teuer. Aus dieser Situation heraus entsteht oftmals eine Depression, manche Betroffene verstümmeln sich selbst, einige denken sogar an Selbstmord. 

Natürlich führ die Bulimie langfristig auch zu einer Reihe schwerwiegender körperlicher Schäden. So schwellen z. B. die Speicheldrüsen an und die Mundwinkel sind häufig wund. Die Magensäure greift den Zahnschmelz an und verursacht außerdem Schleimhautentzündungen des Magens und der Speiseröhre. Häufiges Erbrechen führt weiterhin zu einem gestörten Elektrolythaushalt, dies kann wiederum zu Herzrhythmusstörungen und/oder Verstopfung führen. Gerät Magensaft in die Luftwege, besteht Erstickungsgefahr oder man kann eine Lungenentzündung bekommen. Häufig bleibt bei den Betroffenen die Menstruation aus und ein noch nicht geborenes Kind kann im Mutterleib bleibende Schäden davon tragen.

Die Entstehung der Ess-Brech-Sucht scheint vielschichtig zu sein und ist sicher noch nicht endgültig geklärt. Nach bisherigen Erkenntnissen ist jedoch davon auszugehen, dass folgende Faktoren eine Rolle spielen: 


Gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper: Es fällt den Betroffenen schwer, eine positive (weibliche) Identität zu entwickeln, sich in ihrer Rolle als Frau wohl zu fühlen und ihren eigenen Körper so wie er ist zu akzeptieren. Die eigenen Körpersignale, z. B. „hungrig“ und „satt“ werden verleugnet bzw. nicht wahrgenommen. 

Gestörte Entwicklung der Identität: Die Betroffenen erleben ihre eigene Persönlichkeit als gespalten. Auf der einen Seite gibt es den perfektionistischen Anspruch „wie ich sein will“ auf der anderen Seite die Angst vor dem Versagen „wie ich bin“. 


Krankhafte Familienstrukturen: In den Herkunftsfamilien der Betroffenen steht oftmals der Leistungsgedanke im Vordergrund währen gleichzeitig Gefühle stark kontrolliert werden. Konflikte werden häufig nicht offen ausgetragen und den Kindern wird zu wenig Unterstützung bei Problembewältigungen geboten. Häufig bereitet den Betroffenen auch der Abnabelungsversuch große Schwierigkeiten, da sie von ihren Eltern keine gesunde Abgrenzung gelernt haben; d. h. sie erkennen sich nicht als eigenständige Persönlichkeit und fühlen sich zu stark verantwortlich für das Wohlergehen ihrer Eltern. Häufig gibt es weitere Suchterkrankungen, wie z. B. Alkoholismus, in der Herkunftsfamilie. 


Kultureller Einfluss: Die Betroffenen möchten dem in der westlichen Welt herrschenden Schlankheitsideal um jeden Preis entsprechen. Schlanksein ist in ihren Augen gleichzusetzen mit Schönsein und beides scheint für sie die Grundvoraussetzung für ein glückliches und Erfolg versprechendes Leben. 


Neurologische Störung: Die „chemischen Grundkonfiguration“ (vor allem die sog. Transmitter Serotonin, Dopamin und Noradrelin) der Betroffenen ist aus der Balance geraten. Dies kann entweder durch unangenehme Erlebnisse und/oder durch eine längerfristige falsche Ernährung, z. B. eine unausgewogene Diät, entstanden sein. 



Da die Bulimie eine Suchtkrankheit ist, ähnlich einer Alkohol- oder Drogenerkrankung, ist sie oftmals schwierig in den Griff zu bekommen. Grundvoraussetzung für eine Genesung ist vor allem die Anerkennung seines zwanghaften Verhaltens als Krankheit und die Bereitschaft, Hilfe – z. B. in Form einer Therapie, einer Selbsthilfegruppe oder eines Klinikaufenthaltes – anzunehmen. Regelmäßiges Schlafen, eine ausgewogene Ernährung, „langsame“ Sportarten, ruhige Musik und Schreiben wirken i. d. R. unterstützend. Aber vor allem der Austausch mit anderen Betroffenen ist eine unschätzbare Hilfe auf dem Weg zurück ins Leben. Es gibt zahlreiche Ratgeber, Erfahrungsberichte und Selbsthilfebücher zum Thema Bulimie bzw. Essstörung. Hier finden Sie die Wichtigsten:

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